Informationsveranstaltung "Lüftungsgeräte" in Schulen und Kitas

 

Prof. Dr.-Ing. Martin Renner von der Hochschule München klärt auf

 

Lüftungsgeräte in Schulen und Kindertagesstätten, ein heiß und breit diskutiertes Thema. Zu einer Informations- und Aufklärungsversammlung wurden die Gemeinderäte der Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Gerzen zusammen mit den Schulleitern und Leitern der Kindertagesstätten in die Lerchenhofhalle nach Aham eingeladen. Gastredner war Prof. Dr.-Ing. Martin Renner, Prodekan, Fakultät 5 Energie- und Gebäudetechnik, der Hochschule München, also ein ausgewiesener Fachmann auf diesem Gebiet.

 

Als Hausherr begrüßte 1. Bürgermeister Jens Herrnreiter die fast vollständig erschienenen Gemeinderatsmitglieder aus den 4 Gemeinden Aham, Gerzen, Kröning und Schalkham, die 1. Bürgermeister Johann Luger aus Gerzen, Lorenz Fuchs aus Schalkham, 2. Bürgermeister Prof. Dr. Hermann Englberger und 3. Bürgermeister Andreas Märkl, beide Gemeinde Kröning, die den erkrankten 1. Bürgermeister Konrad Hartshauser zu vertreten hatten. Ein weiterer Gruß galt den anwesenden Schulleitern, Kindertagesstättenleiterinnen und dem Geschäftsstelleiter der Verwaltungsgemeinschaft Gerzen.

 

"Die Politik fordert, winkt mit dem Geldbeutel, genannt Zuwendungen, und keiner kann letzten Endes verbindlich sagen, ob die vielfach gewünschten Lüftungsgeräte in Klassenzimmern und Kindertagesstätten wirklich den gewünschten Effekt erzielen, oder ob es sich doch nur um Placebo-Effekte handelt, die damit erzielbar sind. Auch die Diskussion um die unterschiedlichen Techniken der Lüftungsgeräte führen nicht gerade zu größerem Verständnis der Zusammenhänge", so 1. Bürgermeister Jens Herrnreiter in seinen einleitenden Worten. Er erhoffe sich von der Informationsveranstaltung klare Erkenntnis dahingehend, ob die bisherigen Maßnahmen, die an Schulen und Kindertagesstätten im Raum der Verwaltungsgemeinschaft Gerzen durchgeführt sind, ausreichend sind, oder eben nicht. Er sei froh, dass mit dem heutigen Gastredner ein ausgewiesener Fachmann für diese Thematik gefunden werden konnte.

2. Bürgermeister Prof. Dr. Englberger, der in seinem Hauptberuf ebenfalls an der Hochschule München lehrt und den  Kontakt zu Prof. Dr.-Ing Martin Renner hergestellt hat, stellt im Anschluss den Gastredner vor. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Prof. Dr.-Ing. Martin Renner mit der Thematik, begleitet hierzu Studien und hat sich spontan bereit erklärt für diese Veranstaltung als Gastredner zur Verfügung zu stehen. Er ist DER Spezialist auf diesem Gebiet und war sofort und gerne bereit, diesen Termin wahrzunehmen.

Kurzweilig und vor allem für jedermann verständlich informierte Prof. Dr.-Ing. Renner über die Hintergründe der Belüftung von Räumlichkeiten. Anhand einfacher Schaubilder und Statistiken wurde erklärt, dass die zum jetzigen Zeitpunkt in den Medien entsprechend stark beworbenen Lüftungsgeräte wohl nicht der Weisheit letzter Schluss sein können. Anhand eines Kurzfilms wurde die Lüftungsdynamik über die normale Fensterbelüftung erläutert, woraus Professor Renner den Schluss zog, dass Lüftungsgeräte in der Regel, so wie sie meistens jetzt auf den Markt kommen, eigentlich nicht geeignet sind den gewünschten Effekt zu erzielen. Die frisch zuströmende Zuluft von außen fällt zu Boden und wird von den anwesenden Personen im Raum erwärmt, sodass die sich erwärmende Luft nach oben aufsteigt. Dabei werden in der Raumluft enthaltene Bestandteile mitbefördert. Somit müsste es tatsächlich so sein, dass Lüftungsgeräte im Deckenbereich die aufsteigende Warmluft absaugen und im Fußbodenbereich Frischluft oder gereinigte Luft ein blasen. Meist funktionieren die Geräte allerdings genau andersherum, was kontraproduktiv ist. Daneben wird erklärt, dass diese Lüftungsgeräte natürlich nur die vorhandene Raumluft von negativen Bestandteilen befreien, egal in welcher Technik diese funktionieren. Frischluft können sie nicht "herbeizaubern". Die einzelnen Vor- und Nachteile der Filtergeräte, der Ozongeräte und der Plasmafilter werden kurz erläutert. Je nach Gerät entstehen natürlich andere Belastungen in den Räumlichkeiten sei es Ozonbildung, sei es Lärmentwicklung gerade bei Filtergeräten. Weiterhin wäre eine exakte Volumenberechnung der Räume und des Frischlufbedarfs der Personen im Raum notwendig. Professor Renner gab der Befürchtung Ausdruck, dass jetzt beschaffte Lüftungsgeräte nicht nur einen hohen Betriebs- und Unterhaltsaufwand erfordern, sondern dass diese, nach Abklingen der Pandemie, auch sehr wahrscheinlich wieder aus den Räumlichkeiten verschwinden werden, da sie im Ergebnis immer ein Störfaktor seien. 2 Vorschläge werden den Anwesenden mit auf den Weg gegeben:


1. Ausstattung aller Räumlichkeiten mit CO2- und Luftfeuchtemessgeräten, was, so der Geschäftsstellenleiter der VGGerzen, Herr Klaus Hoffmeister, in allen Kindertagesstätten und Klassenräumen der Fall ist.

2. Die mittelfristige Konzeptentwicklung für zentrale Lüftungsanlagen in Schulen und Kindertagesstätten, die zu dem nicht nur dafür sorgen, dass die Raumluft von Viren und Bakterien und sonstigen nicht erwünschten Bestandteilen gereinigt wird, sondern die auch dafür sorgen, dass die Raumluft auch befeuchtet und erwärmt wird.

 

Derartige Lüftungstechnologien seien wesentlich zielführender. Bei einer Sanierung der Gebäude sollte darauf geachtet werden.

Den Grundtenor, der in den zuständigen Gremien der Verwaltungsgemeinschaft Gerzen bereits vorhanden war, nämlich keine mobilen Geräte zu beschaffen, könne er aus den genannten Gründen heraus nur unterstützen.

Regelmäßiges Lüften durch Öffnen der Fenster unter gleichzeitigem Einsatz der CO2 Messgeräte, eventuell gepaart mit einem Raumluftbefeuchtungssystem sollten passende Raumluftbedingungen schaffen. Da diese Voraussetzungen erfüllt seien, müsse man sich hinsichtlich der Belastung der Raumluft keine weiteren Sorgen machen.

Da anschließend keine Fragen mehr offen waren, wurde der Gastredner mit dem Dank für seine Ausführungen mit einem kleinen Gastgeschenk zurück nach München verabschiedet.

 

 

Informationsveranstaltung Lüftungsgeräte in Schulen und Kitas - Prof. Dr.-Ing. Martin Renner von der Hochschule München klärt auf

l. n. r.: 1. Bürgermeister Jens Herrnreiter, Prof. Dr.-Ing. Martin Renner, 2. Bürgermeister Prof. Dr. Hermann Englberger

Foto: VG Gerzen, Klaus Hoffmeister

 

 

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